Sprout Study Plan erstellen

Lerngruppe organisieren: gemeinsam für Klausuren lernen, ohne Zeit zu verlieren

Eine Lerngruppe hilft nur, wenn sie Struktur hat: gemeinsame Termine, ein festes Treffen pro Woche und ein klares Ziel für jede Sitzung. So baust du sie auf – auch online und neben dem Job.

Aktualisiert · 8 Min. Lesezeit

Um eine Lerngruppe zu organisieren, sammelt ihr zuerst alle Prüfungstermine an einem Ort, findet drei bis fünf Leute mit denselben Modulen und vereinbart ein festes Treffen pro Woche – 60 bis 90 Minuten, online. Jedes Treffen hat ein Ziel, etwa ein Kapitel erklären oder sich gegenseitig abfragen, und alle kommen vorbereitet. Ohne diese Struktur wird aus der Lerngruppe schnell ein netter Plausch, der Zeit kostet, statt welche zu sparen.

Kurz gefasst

  • Eine Lerngruppe funktioniert am besten mit 3–5 Leuten, einem festen Treffen pro Woche und 60–90 Minuten online.
  • Am Anfang steht ein gemeinsamer Terminkalender: Eine Person sammelt alle Prüfungstermine und Fristen und markiert ungefähre Daten mit „~“.
  • Jedes Treffen braucht ein Ziel, eine Moderation, eine Zeitwächterin oder einen Zeitwächter und eine Vorbereitung, die alle vorher erledigen.
  • Gegenseitiges Abfragen und Erklären bringt mehr als gemeinsames Wiederlesen – Selbsttests bewerteten Dunlosky und Kollegen (2013) als besonders nützlich.
  • Gemeinsam sind nur Termine und Themen; das Wochenpensum rechnet sich jedes Mitglied selbst aus.

Gerade im Fernstudium und berufsbegleitend ist eine Lerngruppe oft der einzige Kontakt zu anderen Studierenden. Sie hält dich bei der Stange, wenn nach einem langen Arbeitstag die Motivation fehlt, und sie zeigt dir, wo du den Stoff nur zu verstehen glaubst. Damit das klappt, muss die Gruppe aber anders funktionieren als der Gruppenchat des Semesters.

Lohnt sich eine Lerngruppe überhaupt?

Ja, wenn sie strukturiert ist – nein, wenn ihr euch nur zum gemeinsamen Lesen trefft. Die britische Education Endowment Foundation hat die Forschung zu kooperativem Lernen zusammengefasst: Gemeinsames Lernen wirkt im Schnitt positiv, aber der Effekt hängt stark davon ab, wie es aufgebaut ist. Entscheidend sind durchdachte Aufgaben und klare Abläufe; einfach „in einer Gruppe arbeiten“ reicht nicht. Eine ähnliche Übersicht derselben Stiftung zu Peer Tutoring – Lernende erklären einander den Stoff – zeigt, dass davon beide Seiten profitieren: die Person, die erklärt, und die, die zuhört.

Ein ehrlicher Vorbehalt: Diese Übersichten stammen überwiegend aus Schulen, nicht aus Hochschulen oder dem Fernstudium. Die Grundidee lässt sich aber gut übertragen, zumal sie zu einem zweiten Befund passt. Die Übersichtsarbeit von John Dunlosky und Kollegen (2013) hat zehn verbreitete Lerntechniken verglichen. Die höchste Bewertung bekamen Selbsttests und verteiltes Üben über mehrere Wochen, die niedrigste unter anderem Wiederlesen und Markieren. Eine Lerngruppe ist ideal für genau das, was wirkt: Ihr fragt euch gegenseitig ab, und ein fester Wochentermin verteilt das Lernen ganz von selbst.

Womit fängt eine Lerngruppe an?

Mit einem gemeinsamen Terminkalender. Ihr schreibt dieselben Klausuren, also braucht ihr dieselbe Liste: Prüfungstermine, Anmeldefristen, Abgaben für Hausarbeiten und Einsendeaufgaben. Eine Person sammelt alles und teilt es in einer Nachricht im Gruppenchat, die ihr oben anpinnt. Termine, die noch nicht offiziell sind, bekommen ein „~“ – zum Beispiel „Wirtschaftsrecht ~10. Februar“. Sobald die Hochschule den Prüfungsplan veröffentlicht, aktualisiert dieselbe Person die Nachricht. Wie du mit einem noch unbekannten Termin planst, steht im Artikel Prüfungstermin noch unbekannt.

Diese eine Nachricht verhindert die typischen Missverständnisse: Der eine lernt auf den 3. Februar hin, die andere hat noch den Termin vom Vorjahr im Kopf, und keiner weiß, wann die Anmeldung schließt.

Wie organisierst du eine Lerngruppe Schritt für Schritt?

So kommst du von der Idee bis zum ersten Treffen:

  1. Mitstreiter finden. Frag im Modulforum, im Semester-Gruppenchat oder an einem Präsenztag, wer dieselben Klausuren im selben Prüfungszeitraum schreibt. Drei bis fünf Leute sind ideal.
  2. Termine sammeln. Eine Person erstellt die Terminnachricht mit allen Prüfungen und Fristen, ungefähre Daten mit „~“, und pinnt sie an.
  3. Festen Termin vereinbaren. Ein Wochentag, eine Uhrzeit, 60 bis 90 Minuten, online. Ein fester Termin ist wichtiger als der perfekte – jede Woche neu abzustimmen kostet mehr Energie als das Treffen selbst.
  4. Regeln absprechen. Vorbereitung ist Pflicht, Absagen bis zum Vorabend, der Chat ist für Organisatorisches und Fachfragen. Schreibt die Regeln in die angepinnte Nachricht.
  5. Rollen verteilen. Eine Moderation führt durch das Treffen, eine Zeitwächterin oder ein Zeitwächter achtet auf die Blöcke. Die Rollen wechseln jede Woche.
  6. Erstes Treffen planen. 10 Minuten: Wo steht jede und jeder? 50–60 Minuten: das Thema der Woche, etwa ein Kapitel, das eine Person erklärt, danach Abfragerunde. 10 Minuten: Thema und Vorbereitung für nächste Woche festlegen.

Die Vorbereitung muss konkret sein: nicht „Kapitel 3 anschauen“, sondern „Kapitel 3 lesen und fünf Fragen dazu mitbringen, die du selbst beantworten kannst“.

Welche Formate eignen sich für ein Lerngruppen-Treffen?

Das passende Format hängt davon ab, wo ihr im Semester steht. Diese Übersicht hilft bei der Wahl:

FormatWann sinnvollWas du vermeiden solltest
Erklärrunde: eine Person erklärt ein Kapitel, die anderen fragen nachNeuer, schwieriger Stoff am Anfang des SemestersFolien vorlesen; 45 Minuten Vortrag ohne Rückfragen
Gegenseitiges Abfragen mit vorbereiteten FragenAb der Semestermitte und in der KlausurphaseNur leichte Fragen; sofort nachschlagen, statt erst selbst eine Antwort zu versuchen
Übungsaufgaben gemeinsam besprechenRechenlastige Module wie Statistik oder KostenrechnungLösungen abschreiben; Aufgaben besprechen, die noch niemand allein versucht hat
Probeklausur: jeder löst allein, danach VergleichDie letzten zwei bis drei Wochen vor der KlausurGemeinsam lösen – dann testet ihr die Gruppe, nicht euch selbst
Stilles Co-Working per VideoWenn die Motivation fehlt oder alle viel Lesestoff habenAls Ersatz für inhaltliche Treffen – es ersetzt kein Abfragen

Bei Einsendeaufgaben, die als Prüfungsvorleistung zählen, gilt außerdem: Besprecht den Lösungsweg, aber schreibt eure Abgabe selbst. Was eigenständig erbracht werden muss, regelt deine Prüfungsordnung.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Lena, Murat, Sophie und Tim studieren berufsbegleitend BWL im Fernstudium und schreiben im Februar drei Klausuren: Kostenrechnung am 3. Februar, Wirtschaftsrecht voraussichtlich am 10. Februar und Statistik am 17. Februar. Lena sammelt die Termine und pinnt sie im Gruppenchat an: „Kostenrechnung 3.2., Wirtschaftsrecht ~10.2., Statistik 17.2., Anmeldung bis 15.12.“

Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch von 19:30 bis 20:45 Uhr per Video. Die Module wechseln im Dreiwochenrhythmus: erste Woche Kostenrechnung, zweite Wirtschaftsrecht, dritte Statistik. In jedem Treffen erklärt eine Person ein Kapitel in höchstens 15 Minuten, danach stellt jede und jeder die vorbereiteten fünf Fragen. Murat ist Zeitwächter, Sophie moderiert, nächste Woche wird getauscht. In den letzten drei Wochen vor dem 3. Februar wird aus der Abfragerunde eine Probeklausur: Jeder löst eine alte Klausur allein, am Mittwoch wird verglichen.

Das Tempo ist trotzdem individuell. Tim arbeitet im Schichtdienst und schafft rund 6 Stunden pro Woche, Sophie hat 10. Beide lernen auf dieselben Termine hin, aber mit eigenem Plan: Tim fängt mit Statistik früher an, Sophie verteilt gleichmäßig. Gemeinsam ist nur, welches Kapitel am Mittwoch dran ist – und das schaffen beide, weil es in ihren Plänen eingeplant ist. Wie viele Stunden ein Modul realistisch braucht, rechnest du mit dem Lernaufwand-Rechner aus.

Warum braucht trotzdem jeder einen eigenen Lernplan?

Weil die Lerngruppe das Lernen ergänzt, aber nicht ersetzt. 75 Minuten pro Woche sind ein kleiner Teil des Workloads: Ein Modul mit 5 ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System, Leistungspunkte) entspricht 125–150 Stunden. Den Großteil erledigst du allein, und dafür brauchst du ein Wochenpensum, das zu deinem Alltag passt – nicht zu dem der schnellsten Person in der Gruppe.

In Sprout Study gibt es dafür im Tab „Fächer“ die Schaltfläche „Termine mit der Gruppe teilen“. Sie bereitet einen Text für den Gruppenchat vor: die Liste der Prüfungstermine – ungefähre mit „~“ – und einen Link. Wer aus der Gruppe den Link öffnet, sieht diese Fächer auf dem Prüfbildschirm des Imports, übernimmt die passenden mit einem Klick, und der Plan wird für das eigene Tagespensum berechnet. Über den Link gehen nur Fachnamen und Termine (dazu Leistungspunkte und Zahl der Abschnitte), kein Plan, keine Aufgaben und keine persönlichen Daten.

Sprout Study übernimmt diese Rechnung: Fächer, Stunden und Prüfungstermine eintragen – die App verteilt die Aufgaben auf die Tage, verteilt Verpasstes neu und warnt, wenn etwas nicht in die Frist passt.

Sprout Study testen – 10 Tage kostenlos

Welche Fehler machen Lerngruppen am häufigsten?

Die meisten Lerngruppen scheitern nicht am Stoff, sondern an fehlender Struktur:

  • Der Chat wird zum Meme-Kanal. Nach zwei Wochen gehen die Termine zwischen Stickern und Memes unter. Trennt das: eine angepinnte Terminnachricht, Fachfragen im Gruppenchat, Privates gern woanders.
  • Treffen ohne Vorbereitung. Wer unvorbereitet kommt, hört nur zu. Dann wird aus einer Abfragerunde gemeinsames Wiederlesen – genau die Technik, die bei Dunlosky und Kollegen schlecht abschnitt.
  • Einer zieht alle. Wenn immer dieselbe Person erklärt, lernt vor allem sie. Rotierende Rollen und Themen verteilen die Arbeit und den Nutzen.
  • Alle sollen im gleichen Tempo lernen. Berufsbegleitend hat jede und jeder andere Abende frei. Gemeinsame Termine, aber eigene Pläne – sonst fühlt sich die eine Hälfte gehetzt und die andere ausgebremst.
  • Abschreiben statt Besprechen. Eine geteilte Musterlösung spart heute zehn Minuten und kostet in der Klausur Punkte. Erst allein versuchen, dann vergleichen.

Für die letzten Wochen vor der Klausur findest du einen ausführlichen Ablauf im Lernplan für die Klausurphase. Eine gut organisierte Lerngruppe macht genau diese Phase leichter: Ihr kennt dieselben Termine, habt euch wochenlang gegenseitig abgefragt und wisst, wo eure Lücken liegen.

Fragen und Antworten

Wie viele Leute sollten in einer Lerngruppe sein?

Drei bis fünf. Mit zwei Personen fehlt oft die Abwechslung beim Erklären und Abfragen, ab sechs kommt nicht mehr jeder in einem 60- bis 90-minütigen Treffen zu Wort, und die Terminsuche wird mühsam.

Wie oft sollte sich eine Lerngruppe treffen?

Einmal pro Woche zu einem festen Termin reicht für die meisten berufsbegleitend Studierenden. In den letzten zwei bis drei Wochen vor der Klausurphase kann ein zweites, kürzeres Treffen für Probeklausuren sinnvoll sein.

Funktioniert eine Lerngruppe auch online?

Ja, gerade im Fernstudium ist online der Normalfall. Wichtig sind Kamera an, ein festes Ziel für jedes Treffen, eine Moderation und eine Vorbereitung, die alle vorher erledigt haben. Welche Videoplattform ihr nutzt, ist zweitrangig.

Was macht man in einer Lerngruppe am besten?

Sich gegenseitig abfragen und einander Themen erklären. Selbsttests gehören laut der Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kollegen (2013) zu den wirksamsten Lerntechniken, Wiederlesen dagegen zu den schwächsten. Gemeinsames Vorlesen von Folien ist keine gute Nutzung der Zeit.

Was tun, wenn in der Lerngruppe alle unterschiedlich schnell sind?

Gemeinsam sind nur die Termine und die Themen der Treffen. Jeder rechnet sich seinen eigenen Lernplan mit dem Pensum, das neben Job und Familie realistisch ist, und kommt mit dem vereinbarten Thema vorbereitet ins Treffen.

Quellen